Verbundprojekt
"Ökosystemmanagement für Niedermoore (ÖKOSYN)"

gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Projektträger Biologie, Energie und Umwelt
1. Bearbeitungsphase: Teilprojekt "Gebietshydrologie Oberes Rhinluch und Friedländer Große Wiese", 1992/94
2. Bearbeitungsphase: Teilprojekt "Hydrologie und Vernässungsmanagement", 1995/98
Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Quast
Bearbeiter:
Dr. Dagmar Balla (Abschnitt 2.6)
Dipl.-Ing. (FH) Joachim Bartelt
Dr. Ralf Dannowski (Abschnitt 2.1, 2.2, 2.3, 2.4)
Dr. Ottfried Dietrich (Abschnitt 2.1, 2.2, 2.3, 2.4, 2.5)
Dr. Uwe Schindler, Institut für Bodenlandschaftsforschung (Abschnitt 2.5)
Dipl.-Ing. Ralph Tauschke
Kooperationspartner im Verbundprojekt:
Institut für Landnutzungssysteme und Landschaftsökologie, ZALF
Institut für Bodenlandschaftsforschung, ZALF
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Botanisches Institut
Humboldt-Universität zu Berlin
NLfB, Bodentechnologisches Institut (Bremen)
TU Braunschweig, Institut für Geographie und Geoökologie
Universität Hohenheim, Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre
1 Zielstellung
Ziel der 1. Bearbeitungsphase war die Erarbeitung von Möglichkeiten und Methoden für die Renaturierung (Wiedervernässung) von Niedermoorgebieten. Für die Beispielsgebiete Friedländer Große Wiese und Oberes Rhinluch lagen die Schwerpunkte der Untersuchungen zum Gebietswasserhaushalt im wesentlichen auf drei Fragestellungen:
Aufbauend auf den Ergebnissen der 1. Bearbeitungsphase wurden in der 2. Phase folgende Fragestellungen bearbeitet:
Die Ergebnisse der Teilprojekte fließen in ein Buch des Verbundprojektes (J. Pfadenhauer & R. Kratz: Ökosystemmanagement für Niedermoore: Verfahren und Strategien der Renaturierung nord- und ostdeutscher Niedermoore. Verlag Eugen Ulmer & Co Stuttgart) ein.
2 Methoden und Ergebnisse
2.1 Wasserdargebot und Wiedervernässbarkeit
Schwerpunkte der 1. Projektphase waren die Arbeiten in der Meso- und Mikrochore zum Gebietswasserhaushalt der Friedländer Großen Wiese und des Oberen Rhinluchs. Hier wurden mit den für diese Maßstabsebene geeigneten Mitteln und Methoden Wasserbilanzbetrachtungen durchgeführt. Dies erforderte eine hydrologisch-wasserwirtschaftliche Ist-Zustands-Analyse von Einzugsgebiet und Niedermoorgebiet. Grundlagen waren Messreihen hydrometeorologischer Daten (Niederschlag, potentielle Verdunstung), Abflussmessreihen, Informationen zu wasserwirtschaftlichen Praktiken im Einzugsgebiet sowie GIS-basierte Daten zu den hydrotechnischen Anlagen (Gräben, Staue, Schöpfwerke), der Geländehöhe (digitales Geländemodell) und zur Landnutzung der Beispielsgebiete.
Das verfügbare Wasserdargebot aus Niederschlag und Zufluss aus dem Einzugsgebiet wurde durch Auswertung von Messreihen der Landesbehörden und Berechnung der langjährig mittleren Grundwasserneubildung im Einzugsgebiet (Abb) mit Modellen ermittelt. Für die Szenariountersuchungen zur Vernässbarkeit des Niedermoorgebietes wurde ein speziell an die Bedingungen Grundwasser regulierter Niedermoore angepasstes Modell entwickelt (WABI, Dietrich et al. 1996a). Hiermit konnte die Auswirkung unterschiedlicher Zielgrundwasserstände, die sich aus der beabsichtigten Nutzung der Flächen ergeben, auf den Verlauf des Grundwasserganges (Abb) klimatisch mittlerer Jahre ermittelt werden.
Die Ergebnisse führen zu folgenden Schlussfolgerungen:
Eine ausführliche Darstellung der Methodik und Ergebnisse kann in Dietrich et al. (1996b) nachgelesen werden.
2.2 Wasserbewirtschaftung Einzugsgebiet und Wiedervernässung
Die Nutzung der Ruppiner und Rheinsberger Seen als Wasserspeicher für die Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen im Einzugsgebiet, insbesondere des als Intensivgrünland genutzten Oberen Rhinluchs, führte auf Grund der großen Wasserspiegelschwankungen zu Schäden im Uferbereich der Seen. Den Forderungen des Naturschutzes entsprechend wurden die Speicherlamellen der Seen verringert. Zusätzlich entfallen seit 1990 die Überleitungen von Wasser aus der Müritz-Havel-Wasserstraße. Damit hat sich die Wasserdargebotssituation für das Obere Rhinluch verschlechtert. Der Wegfall der Überleitungsmengen wurde schon bei den Untersuchungen zum Wasserdargebot in Abschnitt 2.1 berücksichtigt.
Die Auswirkungen der veränderten Speicherbewirtschaftung wurden in Modelluntersuchungen mit dem GRM-Rhin ermittelt (Dietrich et al. 1999). Es zeigte sich, dass sich das verfügbare Wasserdargebot der Sommermonate verringert. Im Winter/Frühjahr kann weniger Wasser im Einzugsgebiet zurückgehalten werden, somit steht im Sommer dann weniger für die Stabilisierung der Abflüsse zur Verfügung. In der Abflusscharakteristik des Rhins verstärken sich die Unterschiede zwischen Winter- und Sommerabfluss. Dies entspricht mehr der Abflusscharakteristik eines natürlichen Fließgewässers, ist für die Deckung des Wasserbedarfs in Niedermoorgebieten aber ungünstiger.
Die Auswirkungen der Änderungen im Wasserdargebot wurden hier auf Grund von Wasserbilanzbetrachtungen ermittelt, eine optimale Ausnutzung des verfügbaren Wasserdargebotes als Voraussetzung angenommen.
Das veränderte Wasserdargebot wirkt sich zunächst weniger auf die im Mittel der Jahre erreichbaren Grundwasserstände im Niedermoorgebiet aus. Es kommt jedoch zum häufigeren tiefen Abfall der Grundwasserstände (Abb), auch wenn keine veränderte Nutzung unterstellt wird.
Die Wiedervernässbarkeit ist auf den dafür geeigneten Flächen gegeben, wenn ein hoher Winterüberstau (Abb) der entsprechenden Flächen erfolgt. Insbesondere im Juli ist jedoch mit 5-jähriger Wiederkehr ein leichter Abfall der Grundwasserstände zu erwarten.
Die langjährig mittlere klimatische Wasserbilanz des Niedermoorgebietes hat im Winterhalbjahr einen Überschuss und im Sommerhalbjahr ein Defizit. Wird der Überschuss im Winter/Frühjahr durch Entwässerung abgegeben und wird versucht, das Defizit im Sommer durch Bewässerung auszugleichen, so führt dies zur Verstärkung der Unterschiede im innerjährlichen Abflussgang unterhalb des Niedermoorgebietes. Die Wiedervernässung von Teilbereichen entsprechend den im Ökologischen Entwicklungskonzept ausgewiesenen potentiell vernässbaren Flächen wirkt sich noch nicht ausgleichend auf das Abflussgeschehen aus, verschlechtert es aber auch nicht. Hierfür gibt es folgende Gründe:
Der wieder vernässte Flächenanteil ist zu gering. Die geringe Wasserentnahme im Winterhalbjahr wirkt sich auf die insgesamt hohen Rhin-Abflüsse in dieser Zeit kaum aus. Im Sommer wird ähnlich wie bei landwirtschaftlicher Nutzung mit Bewässerung das verfügbare Wasserdargebot ausgeschöpft.
Bei der Struktur des wasserwirtschaftlichen Systems, insbesondere angesichts des eingedeichten Rhins, muss auch der Wasserhaushalt der Wiedervernässungsflächen gesteuert werden. Wasserentnahmen und Rückleitungen sind anthropogen beeinflusst. Damit können die Wiedervernässungsflächen nicht wie natürliche Moore im Wasserhaushalt des Einzugsgebietes wirken.
Eine ausführliche Beschreibung der Methode und Ergebnisse zu Abschnitt 2.2 findet sich in Dietrich et al. (1999).
2.3 Potentiell wieder vernässbare Flächen
Als eine Grundlage für die Erarbeitung eines "Ökologischen Entwicklungskonzeptes Oberes Rhinluch" war die Erstellung einer Karte mit den potentiell vernässbaren Flächen im Gebiet erforderlich. Das Untersuchungsgebiet war in 4 Vernässungsstufen entsprechend folgender Vorgaben für die einzelnen Vernässungsstufen (VNS) einzuteilen:
Unter 'aktiv vernässbar' wird verstanden, dass die Flächen gezielt mit Zusatzwasser aus dem höher gelegenen Rhin versorgt werden können und entsprechende Staueinrichtungen vorhanden sind, die ein Anheben der Grundwasserstände ermöglichen. Dabei ist von den vorhandenen Regulierungsanlagen auszugehen. Um- oder Neubauten sind nicht zu berücksichtigen. Bei den Betrachtungen zu den landwirtschaftlich zu nutzenden Flächen wird von einem Betrieb der Regulierungsanlagen nach Projektierungsunterlagen ausgegangen.
Auf der Grundlage von Analysen zum Regulierungssystem, den Höhenverhältnissen und den praktischen Erfahrungen aus der Grundwasserregulierung wird das Untersuchungsgebiet in Vernässungsstufen eingeteilt. Bei dieser Voreinteilung wird zunächst nicht zwischen den Vernässungsstufen 1 und 2 unterschieden. Die Unterteilung in diese beiden Vernässungsstufen erfolgt erst anhand der anschließenden Wasserbilanz- und Grundwassergangberechnungen, für die das Modell WABI genutzt wurde.
Bei der Einteilung in die Vernässungsstufen werden folgende Prämissen berücksichtigt:
Das Ergebnis der Untersuchungen ist die "Karte der potentiell vernässbaren Flächen im Untersuchungsgebiet Oberes Rhinluch" (Abb). Hier werden Staubereiche, die in einem Gebiet liegen, das aus Sicht der Wasserregulierung einheitlich bewirtschaftet werden muss, noch einmal zusammengefasst. Damit soll insbesondere die gegenseitige Beeinflussung und Beeinträchtigung beim Erreichen der jeweiligen Zielvorgaben reduziert werden. Sollen z. B. nur einzelne Staubereiche innerhalb eines Gebietes der Vernässungsstufe 1 vernässt werden, ist mit Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Nutzung der unmittelbar angrenzenden Flächen zu rechnen. Hier müsste dann über Pufferzonen nachgedacht werden. Wiedervernässungsflächen sollten jedoch grundsätzlich innerhalb dieser ausgewiesenen Bereiche liegen. Es ist nicht unbedingt erforderlich, den gesamten ausgewiesenen Bereich zu vernässen, und es bedeutet auch nicht, dass der gesamte Bereich vernässt wird. Auf Grund des Reliefs wird sich auch hier ein Mosaik von vernässten und trockeneren Flächen ergeben.
Es zeigte sich, dass in erster Linie die am tiefsten gelegenen Flächen am Rhin für eventuelle Wiedervernässungen in Frage kommen. Hier kann der erforderliche hohe Winterrückhalt realisiert werden, sind günstige Wasserzuleitungsmöglichkeiten aus dem Rhin gegeben. Die Beeinträchtigung von Nachbarflächen wird gering gehalten, wenn die Wiedervernässungsflächen ein geschlossenes Gebiet bilden und nicht weitläufig im Gesamtgebiet verstreut liegen. Nach Möglichkeit sollten diese Flächen durch vorhandene Barrieren abgegrenzt sein, u. U. sind jedoch zusätzliche Verwallungen erforderlich, um einen hohen Wintereinstau zu ermöglichen. Nach endgültiger Festlegung von Wiedervernässungsflächen sind in jedem Fall weitere ingenieurtechnische Untersuchungen zu diesen Flächen notwendig. Solche Untersuchungen betreffen u. a. detailliertere Höhenaufnahmen von Teilflächen und Bauwerken, Begutachtungen zur Standsicherheit von Bauwerken oder Betrachtungen zur Festlegung von Schutzzonen zwischen vernässten und bewirtschafteten Flächen.
Die Ergebnisse enthält der Abschlussbericht zum Ökologischen Entwicklungskonzept (Kretschmer et al. 1998), die detailliertere Beschreibung von Methodik und Ergebnissen Dietrich & Dannowski (1997).
2.4 Anwendung von Bewässerungsverfahren zur Wiedervernässung
Ohne Wasserzuleitung aus dem Einzugsgebiet ist, insbesondere bei den geringen Niederschlägen in Nordostdeutschland, eine Wiedervernässung von Niedermoorstandorten nicht möglich. Der Nachweis von ausreichend Wasser für eine Wiedervernässung ist daher die erste Voraussetzung, die erfüllt sein muss. Größtenteils wird dies der Fall sein, wobei die innerjährliche Verteilung der Einzugsgebietsabflüsse nicht unbedingt mit dem Zusatzwasserbedarf der wieder zu vernässenden Flächen übereinstimmt. Die Abflussspitzen liegen im Winter und Frühjahr, die Bedarfsspitzen im Sommer. Es muss daher möglichst viel der Winter-/Frühjahrsabflüsse im Niedermoorgebiet zurückgehalten werden. Hierfür müssen die Niedermoorflächen möglichst hoch und lang anhaltend überstaut werden, wofür besonders sehr tief liegende Flächen geeignet sind. Ein ausreichender Wasserzufluss aus dem Einzugsgebiet garantiert aber noch nicht den Vernässungserfolg. Auch die Probleme der Wasserzuleitung und der Sicherung eines hohen Grundwasserniveaus müssen gelöst werden. Sie können den Vernässungserfolg gegebenenfalls in Frage stellen.
Die Ergebnisse zu den einzelnen Vernässungsverfahren (Abb) machen den Einfluss der Standortverhältnisse auf ihre Anwendbarkeit deutlich. Von den in den Untersuchungen angewendeten Bewässerungsverfahren ist mit dem Grabeneinstau nur auf flachgründigen, von gut wasserdurchlässigen Sanden unterlagerten Niedermoorstandorten eine Bewässerungswirkung erreichbar, die für die Wiedervernässung mit Ziel Torfwachstum jedoch nicht ausreichend ist. Die erreichbaren Grundwasserstände sind in ihrer Höhe begrenzt, da bei höheren Grabenwasserständen, wenn diese überhaupt erreichbar sind, der Graben über die Ufer tritt. Damit handelt es sich dann um einen Grabenüberstau. Ansonsten muss immer noch der hydraulische Druckhöhenverlust berücksichtigt werden, der den in der Fläche erreichbaren Grundwasserstand reduziert. Für Ziele des Feuchtwiesenschutzes und die landwirtschaftliche Bewässerung ist dieses Verfahren gut geeignet, insbesondere da die bestehenden Anlagen meistens für diese Bewässerungsform angelegt wurden. Wo keine anderen Verfahren anwendbar sind, sollte mit dem Grabeneinstau der tiefen Entwässerung und damit dem Torfverzehr auf jeden Fall entgegengesteuert werden.
Als geeignete Bewässerungsverfahren für die Wiedervernässung erweisen sich der Grabenüberstau und die Überrieselung. Bei beiden Verfahren ist die Wasserdurchlässigkeit des Grundwasserleiters von sekundärer Bedeutung, und beide sind weitgehend unabhängig vom Aufbau und Zustand des Torfkörpers. U. U. sind zusätzliche Verwallungen erforderlich, um das Wasser auf der Fläche zurückhalten zu können. Nachteilig beim Grabenüberstau ist, dass bei Geländegefälle (Randbereiche vermoorter Niederungen) oder sehr heterogenem Geländerelief oftmals nur kleine Flächenteile überstaubar sind bzw. viele Staustufen eingerichtet werden müssten. Der Grabenüberstau wird für viele Flächen die einzige Möglichkeit der Wiedervernässung sein.
Die Überrieselung stellt hohe Anforderungen an den Standort. Es muss zumindest ein geringes Gefälle vorhanden sein, das Zusatzwasser muss auf einem ausreichend hohen Druckniveau zur Verfügung stehen, und es dürfen nur geringe Reliefschwankungen vorhanden sein, da das Mikrorelief entscheidend für die Abflussbahnen und damit für die Ausbildung der Vernässung ist. Auf entsprechend geeigneten Standorten wird eine sehr gute Vernässungsqualität erreicht, jedoch werden die hohen Standortvoraussetzungen nur in wenigen Niedermoorgebieten gegeben sein. Bei reiner Überrieselung wirkt sich mangelnde Vorratshaltung nachteilig aus. Es bestehen dann hohe Anforderungen an die Kontinuität der Zusatzwasserbereitstellung.
Die Ergebnisse zu den Vernässungsverfahren sind ausführlich im Beitrag Dietrich et al. (1998) dargestellt.
Niedermoore haben mit der Entwässerung und der Anbindung an die Vorflut eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten, die natürliche Retention von Wasser im Gebiet, verloren. Durch die Wiedervernässung soll u. a. auch diese Funktion wieder aktiviert werden.
Bei Wiedervernässung mit Wasserständen teilweise über Gelände (Überstau) ist bei der Betrachtung des Flächenwasserspeichers zwischen dem Bodenwasserspeicher und dem Oberflächenwasserspeicher zu unterscheiden. Auf der Basis von bodenhydrologischen Messungen und Modellierungen wurde am Beispiel einer Untersuchungsfläche im Oberen Rhinluch gezeigt, dass bei den flurnahen Grundwasserständen der Anteil des Bodenwasserspeichers gegenüber dem Oberflächenwasserspeicher sehr klein ist (Abb). Gerade bei geringem Wasserdargebot hat daher ein hoher Überstau der Niedermoorflächen im Winter, der Zeit mit Wasserbilanzüberschuss, eine besondere Bedeutung. Nur auf diese Weise kann ein größerer Wasservorrat für die Vegetationsperiode zurückgehalten werden. Auch bei gegenüber entwässerten Flächen erhöhter Evapotranspiration kann ein Absinken der Grundwasserstände im Frühjahr/Sommer auf diese Weise hinausgezögert werden. Liegt der Grundwasserstand erst unter der Geländeoberfläche, fallen die Grundwasserstände schnell tiefer ab, da der degradierte Torf nur wenig Wasser speichern und wieder abgeben kann.
Für eine ausführliche Darstellung der Methodik und Ergebnisse siehe Schindler & Dietrich (1998).
2.6 Senkenfunktion von Niedermoorflächen
Die Modellierung des konvektiven Stofftransportes im Grundwasserleiter von Staubereichen sollte verdeutlichen, wie durch unterschiedliches Wassermanagement die Senkenfunktion für wassergelöste Stoffe beeinflusst werden kann. Kurze Phasen der Entwässerung durch den Betrieb von Pumpstationen im Wechsel mit langen Ein- und Anstauphasen führen zu einer Retention von stärker stoffbelastetem Grundwasser im Gebiet. Für das Obere Rhinluch ergibt sich ein positiver Effekt des Niedermoores für eine Verminderung der Stoffausträge nach unterhalb, wenn durch geeignetes Wassermanagement ein weitgehender Rückhalt des mooreigenen Grundwassers im Gebiet gelingt.
Im Oberen Rhinluch unterscheidet sich die Wassergüte des Grundwassers stark von der einzugsgebietstypischen Beschaffenheit der Fließgewässer. Durch die vorausgegangene Nutzung, aber auch, wie durch die o. g. Modellierung gezeigt wurde, durch die Stauregulierung hat eine Anreicherung von Stoffen in den oberen Boden- und Wasserschichten stattgefunden. Mittelfristige Landnutzungsänderungen können eine Verbesserung der Grundwasserbeschaffenheit nur über die Entnahme der wassergelösten Stoffe bewirken, nicht durch verringerte Stoffeinträge in das Grundwasser selbst. Für die Vegetation wieder vernässter Flächen werden neben dem Stoffpotential aus dem Zusatzwasser auch im Grundwasser akkumulierte gelöste Stoffe, besonders Kalium, verfügbar. Durch Veränderungen des oxischen Zustandes des Wassers in den wieder vernässten Flächen ist eine deutliche Zunahme von Phosphor, evtl. durch Rücklösung, bei einem sehr geringen N-Niveau, zu verzeichnen. Hinsichtlich des Schutzes der benachbarten Fließgewässer ist daher zu fordern, dass diese Flächen, sofern keine Biomasse entnommen wird, ganzjährig als Senke wirken müssen und kein Wasser oberflächig abströmen darf. Daraus resultieren Anforderungen an die Gestaltung des Bewässerungssystems und an das Wassermanagement.
3 Literatur
Balla, D., O. Dietrich und J. Quast (1999): Management impacts with respect to the sink function for water-bounded nutrients in an intensively cultivated fen area in Northeastern Germany. Peatland International (im Druck)
Balla, D. und J. Quast (1998): Management impacts of the sink function for water and soluble chemicals in a large shallow fen site. Proceedings of the International Peat Symposium, Jyväskylä, 7-9 September 1998
Dannowski, R., O. Dietrich und R. Tauschke (1999): Wasserhaushalt einer vernässten Niedermoorfläche in Nordost-Brandenburg. Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung, (im Druck)
Dietrich, O., R. Dannowski und J. Quast (1995): Untersuchungen zum Gebietswasserhaushalt nordostdeutscher Niedermoore am Beispiel der Friedländer Großen Wiese. - Z. f. Kulturtechnik und Landentwicklung 36 (3): 144 - 148.
Dietrich, O., R. Dannowski und J. Quast (1996a): GIS-based water balance analyses for fen wetlands. - International Conf. on Application of Geographic Information Systems in Hydrology and Water Resources Management, HydroGIS’96. 16-19 April, Vienna, Vol. of Poster Papers, S. 83-90, Vienna.
Dietrich, O., R. Dannowski, J. Quast und R. Tauschke (1996b): Untersuchungen zum Wasserhaushalt norddeutscher Niedermoore am Beispiel der Friedländer Großen Wiese und des Oberen Rhinluchs. ZALF-Bericht Nr. 25, Müncheberg, 59 S.
Dietrich, O. und R. Dannowski (1997): GIS-gestützte Untersuchungen zum Wasserhaushalt von Niedermooren. - In: Kratz, R. & F. Suhling (Hrsg.): Geographische Informationssysteme im Naturschutz. Magdeburg, Westarp Wissenschaften, S. 203 - 211.
Dietrich, O., Dannowski, R. und J. Quast (1998): Solutions of water supply for rewetting of degraded fen sites in northeastern Germany. Proc. of the 1998 Intern. Peat Symposium "Peatland Restoration and Reclamation", 14 - 18 July 1998, Duluth, Minnesota USA, S. 220-226.
Dietrich, O., R. Dannowski, M. Schramm und P. Stille (1999): Probleme der Wasserbewirtschaftung eines stauregulierten nordostdeutschen Niedermoores. Wasser & Boden 51, Heft 4, S. 36-40
Dietrich, O., R. Dannowski, R. Tauschke, K. Stornowski und V. Leschke (1999): Wiedervernässung einer degradierten Niedermoorfläche als Voraussetzung für den Schilfanbau. Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung, (im Druck)
Kretschmer et al. (1998): Ökologisches Entwicklungskonzept Oberes Rhinluch. Abschlussbericht des Teilprojektes C3 "Ökosystemmanagement für Niedermoore", Müncheberg, 216 S.
Quast, J. (1995): Wasserhaushalt und Feuchtgebiete in einer Trockenlandschaft - Zustand - Konflikte - Maßnahmen. Z. f. Kulturtechnik und Landentwicklung 36 (4): 207-213.
Quast, J. (1997): Wasserdargebot in Brandenburgs Agrarlandschaften und gebotene wasserwirtschaftliche Konsequenzen. Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung, 35 (4): 267-277.
Quast, J. und G. Böhm (1997):Die Ermittlung der realen Evapotranspiration von Niedermoorgebieten unter den hydroklimatischen Bedingungen Nordostdeutschlands am Beispiel des Rhinluchs. Klimaforschungsprogramm des BMBF 1994-1997. Ergänzungsband, 4 S.
Quast, J. (1999): Wege zu einem nachhaltigen Miteinander von Landnutzung, Naturschutz und Wasserwirtschaft. Arch. Acker- Pfl. Boden., Vol. 44, S. 323-347.
Schindler, U. und O. Dietrich (1998): Quantifizierung des Wasserspeichers einer wieder vernässten Niedermoorfläche. Arch. Acker- Pfl. Boden., Vol. 43, pp 1-16.